Zum Hauptinhalt springen

Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

Vier Jahre, viele Bahnen, ein Ziel: Samuel Maiers Mission 2030

Vier Jahre, viele Bahnen, ein Ziel: Samuel Maiers Mission 2030

Innsbruck, 

17. September 2026

Samuel Maier überlässt auf dem Weg zu den Olympischen Winterspielen Alps 2030 möglichst wenig dem Zufall. Nach seinen Rückenproblemen ist Österreichs Skeleton-Ass wieder voll im Training – allerdings mit neuem Zugang. Der 26-Jährige trainiert bewusster, analysiert bereits jetzt die Eiskanäle der kommenden vier Jahre und dreht an allen Stellschrauben. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch Trainingspartnerin und Olympiasiegerin Janine Flock. Der erste große Prüfstein des neuen Olympiazyklus wartet im Februar 2027 bei der WM in Lillehammer, dem Ort seines bislang größten Erfolgs.

Der Rücken hält, die Intensitäten sind zurück. Nach dem Ende der vergangenen Saison hatte Samuel Maier zunächst noch einmal bewusst eine Pause eingelegt. Grund dafür war ein Ödem im Bereich des fünften Lendenwirbels beziehungsweise Wirbelbogens, das ihm bereits während der Saison Probleme bereitet hatte. Mit entsprechender Betreuung und einem schrittweisen Belastungsaufbau bekam der Tiroler Heeressportler die Beschwerden zunehmend in den Griff. „Mittlerweile bin ich so weit, dass ich wieder volle Intensitäten gehen und alle Trainings gut absolvieren kann. Ich merke aber, dass ich zwischendurch ein paar Tage Pause brauche. Wenn ich die einhalte, funktioniert es von Woche zu Woche sehr gut“, sagt Maier.

Die Verletzung hat auch seinen Zugang zum Training verändert. Einfach zehn Einheiten pro Woche abzuspulen und Warnsignale auszublenden, kommt nicht mehr infrage. „Das muss es aber auch nicht, weil wir uns in den vergangenen vier, fünf Jahren ein gutes Fundament aufgebaut haben. Für mich geht es jetzt darum, mehr in den Körper hineinzuhören, ein bisschen erwachsener zu trainieren und nicht einfach mit der Brechstange.“

Im Sommer schon vier Jahre vorausgedacht

Weniger Brechstange bedeutet keineswegs weniger Arbeit. Neben Athletik-, Kraft- und Starttraining wurde der Sommer vor allem für intensive Analysearbeit genutzt. Gemeinsam mit seinem Team arbeitete Maier die vergangene Saison auf, analysierte mit zeitlichem Abstand Materialentscheidungen und nahm auch die Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 noch einmal unter die Lupe.

Vor allem aber richtet sich der Blick nach vorne – und zwar deutlich weiter als bis zur kommenden Weltcupsaison. „Wir sind im Sommer ganz viele Bahnen durchgegangen. Das haben wir jedes Jahr ein bisschen gemacht, aber heuer haben wir wirklich intensiv den ganzen Kalender aufgearbeitet. Wir haben die Learnings aus dem vergangenen Jahr analysiert, auch materialtechnisch. Mit ein bisschen Abstand sieht man gewisse Dinge noch einmal anders.“

Dabei beschäftigt sich Maier längst mit Eiskanälen, die erst in späteren Saisonen des Olympiazyklus eine Rolle spielen. Park City (USA) etwa kennt er bislang überhaupt nicht aus eigener Rennerfahrung, Whistler (CAN) liegt für ihn beinahe ein Jahrzehnt zurück. Das Ziel: Nicht erst an der jeweiligen Bahn nach Lösungen suchen, sondern bereits mit einem konkreten Plan anreisen.

„Wir wollen auf Bahnen, auf denen wir schon gut sind, noch besser und konstanter werden. Und bei Bahnen, auf denen es nicht so funktioniert hat, analysieren wir jetzt mit Abstand, warum das so war. Wenn wir dann wieder hinkommen, wissen wir bereits, was im Vorjahr nicht funktioniert hat – fahrerisch und materialtechnisch. Wir wollen viel gesettelter an die Bahn kommen und schon einen guten Plan haben.“

Mission Olympia-Medaille 2030

Hinter diesem Aufwand steckt eine klare Entscheidung. Nach Mailand Cortina stand für Maier die Frage im Raum, ob und wie lange er seine Karriere fortsetzen will. Eine kurzfristige Verlängerung kam für ihn nicht infrage.

„Ich habe damals schon gesagt: Wenn, dann möchte ich vier Jahre gehen und alle Stopps mitnehmen. Deswegen arbeiten wir jetzt die Bahnen auf. Wir testen auch am Start bereits Sachen, die eigentlich erst für die kommenden vier Jahre gedacht sind. Alles ist dem Ziel untergeordnet, in vier Jahren bei den Olympischen Spielen in La Plagne eine Medaille zu machen.“

Bis dahin gibt es wichtige Zwischenziele. Das erste wartet bereits in dieser Saison mit den Weltmeisterschaften in Lillehammer. Auf der Bahn feierte Samuel Maier mit dem Europameistertitel im Februar 2025 seinen bislang größten Erfolg. Weitere WM-Schauplätze der kommenden Jahre sind ebenso Teil der Planung. „Natürlich haben wir Unterziele. Jetzt ist es Lillehammer. Aber es geht darum, mein gesamtes Level anzuheben: starttechnisch, materialtechnisch, von der Performance in der Bahn bis zur Position. Wir wollen wirklich jede Stellschraube anziehen.“

Dazu gehören auch Windkanaltests und neue Materialvarianten. Bereits zu Saisonbeginn sollen unterschiedliche Lösungen erprobt werden, deren Erkenntnisse langfristig in das Projekt 2030 einfließen. Auch mental sieht Maier Entwicklungspotenzial: „Ich möchte wieder ganz vorne mitschnuppern, Erfahrungen sammeln und diese Situation öfter erleben – vielleicht nach dem ersten Lauf vorne zu sein und dann mit diesem Druck umgehen zu müssen. Das sind alles Schritte, die in den kommenden Jahren für die Spiele wichtig werden.“

Flock als Trainingspartnerin und Referenz

Wie ein langfristiger Weg an die Weltspitze aussehen kann, erlebt Maier täglich aus nächster Nähe. Seit Jahren trainiert er gemeinsam mit Janine Flock. Die Olympiasiegerin ist für ihn dabei weit mehr als nur Trainingspartnerin. „Ich hänge mich schon seit fünf Jahren an die Janine – und das mit gutem Grund“, sagt Maier schmunzelnd. „Janine macht einfach viele Sachen richtig. Jetzt hat sie mit Olympiagold auch den größten Erfolg erreicht, den man in unserem Sport haben kann.“

Maier und Flock verbindet neben dem Training eine Freundschaft. Entsprechend emotional erlebte er ihren Olympiasieg – auch weil seine zweiten Olympischen Winterspiele mit Platz 14 nicht gerade nach Wunsch verlaufen waren. „Meine Spiele und Janines Spiele konnte ich zum Glück gut voneinander trennen. Wir sind Teampartner und Freunde. Ich habe mich so für sie gefreut und das richtig gefeiert, weil man weiß, was alles dahintersteckt.“

Auch für den nächsten Schritt gehen beide gemeinsame Wege. Am 16. Oktober reisen Flock und Maier nach Lillehammer und absolvieren dort einen frühen Trainingsblock auf jener Bahn, auf der im Februar 2027 die Weltmeisterschaften stattfinden.

Vom Windkanal auf die WM-Bahn

Bis dahin bleibt der Kalender dicht. Nach dem aktuellen Starttraining in Königssee stehen für Maier Windkanaltests und die letzten Schritte bei der Materialvorbereitung auf dem Programm. Athletisch soll die Form sukzessive Richtung Saison aufgebaut werden, wobei der erste Leistungshöhepunkt bewusst auf die WM ausgerichtet wird.

Parallel absolviert Maier an der Bundessportakademie den Trainergrundkurs für Spitzensportler. Auch abseits der eigenen Fahrten beschäftigt sich der Tiroler damit intensiv mit der Weiterentwicklung im Leistungssport. Das große Projekt bleibt jedoch seine eigene Reise durch die nächsten vier Skeleton-Winter. Die Arbeit daran hat längst begonnen.


Bob- und Skeleton-Weltcupkalender 2026/27:
#1 IBSF Weltcup Altenberg (GER, 22. bis 29. November 2026)
#2 IBSF Weltcup Innsbruck I (AUT, 29. November bis 6. Dezember 2026)
#3 IBSF Weltcup Innsbruck II (AUT, 6. bis 13. Dezember 2026)
#4 IBSF Weltcup Cortina d‘Ampezzo (ITA, 13. bis 20. Dezember 2026)
#5 IBSF Weltcup Königssee (GER, 10. bis 17. Jänner 2027)
#6 IBSF Weltcup St. Moritz (SUI, 17. bis 24. Jänner 2027)
#7 IBSF Weltcup und Europameisterschaft Winterberg (GER, 24. bis 31. Jänner 2027)
#8 IBSF Weltcup Sigulda (LAT, 31. Jänner bis 7. Februar 2027)
IBSF Weltmeisterschaften Olympiaparken Lillehammer (NOR, 15. bis 28. Februar 2027)