Zum Hauptinhalt springen

Österreichischer Bob- und Skeletonverband

Eduard-Bodem-Gasse 6 / 3. OG
A-6020 Innsbruck

Goldmedaille für den Windkanal der TU Graz

Goldmedaille für den Windkanal der TU Graz

Innsbruck, 

22. September 2026

Aller guten Dinge sind drei. Österreichs Skeleton-Erfolgsteam kehrt nach den Tests in den Jahren 2024 und 2025 wieder mit Gold in den Windkanal zurück. Waren es im Vorjahr noch die zwei EM-Goldmedaillen von Samuel Maier und Janine Flock, brachte die Tirolerin diesmal Olympiagold mit.

Nach 2024 und 2025 nutzte das österreichische Skeleton-Team bereits zum dritten Mal den Windkanal am Institut für Strömungslehre und Wärmeübertragung der Technischen Universität Graz. Gemeinsam mit Nationalteamtrainer Michael Grünberger wurden Rennanzüge, Helme, Startschuhe, Schlitten und vor allem die individuelle Position der Athlet:innen aerodynamisch überprüft.

Betreut wurden die Tests erneut von Assistenz-Professor Dipl.-Ing. Dr. Christoph Irrenfried und seinem Team. „Die Zusammenarbeit mit der TU Graz funktioniert hervorragend. Wir sind sehr froh, dass wir diesen Service dank der Technologie-Projekt-Förderung der Bundes-Sport GmbH nutzen können. Das ist ein wichtiger Puzzlestein für unsere Erfolge der letzten zwei Jahre und hoffentlich auch für den nächsten Olympiazyklus“, sagt Grünberger.

„Ein Teil dieser Goldmedaille gehört auch der TU Graz“

Dass die gemeinsame Entwicklungsarbeit nach den beiden EM-Titeln durch Samuel Maier und Janine Flock und den Gesamtweltcupsieg der Tirolerin im Jahr 2025 auch im Olympia-Jahr goldene Früchte getragen hat, war dabei besonders erfreulich. Selbst TU-Graz-Rektor Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Horst Bischof ließ es sich nicht nehmen, persönlich vorbeizukommen und Janine Flock zu ihrem Olympiasieg zu gratulieren. Die Ausnahmeathletin hatte ihre Goldmedaille mitgebracht – ganz bewusst.

„Ein Teil dieser Goldmedaille gehört auch der TU Graz“, sagt Flock, die auch nach ihrem größten Karriereerfolg weiter auf der Suche nach Verbesserungen bleibt. „Die Windkanaltests waren wieder sehr erkenntnisreich. Man findet immer Kleinigkeiten an der Position, die man optimieren kann. Für mich war es auch eine Bestätigung, dass mein gesamtes Setup an Equipment sehr gut dasteht“, erklärt die Olympiasiegerin.

Flock testete unter anderem eine andere Schale, ihr bewährtes Gesamtpaket erwies sich jedoch einmal mehr als sehr schnell. Gerade auf dem höchsten Leistungsniveau ginge es um kleinste Veränderungen.

„Das sind Mini-Adaptionen, die vielleicht ein halbes Prozent ausmachen. Aber in Summe auf vier Läufe gesehen, macht das schon wieder zwei Prozent mehr aus. Darum geht es in unserem Sport: genau diese Dinge auszuloten und zu optimieren.“ Flock denkt dabei offensichtlich schon an das nächste Großereignis mit vier Entscheidungsläufen: die WM 2027 in Lillehammer.

Warum jedes Jahr wieder in den Windkanal?

Dass selbst Flock und Maier erneut Verbesserungspotenzial von rund fünf Prozent fanden, hat mehrere Gründe. Nicht nur Material und Ausrüstung entwickeln sich weiter, auch die Athlet:innen selbst verändern sich.

„Der Teufel steckt im Detail“, erklärt Grünberger. „Das beginnt beim Schneidern der Anzüge: Wie verlaufen die Nähte, wie eng oder weit liegt der Anzug an? Gleichzeitig verändert sich der Körper der Athleten von Jahr zu Jahr. Samuel ist zum Beispiel noch athletischer geworden. Da verändert das Athletiktraining auch die Aerodynamik.“

Maier wird in der kommenden Saison zudem einen neuen Helm verwenden. Bei den Rennanzügen konnte das Team anhand der Tests eine Materialentscheidung treffen.

„Wie im Motorsport findet man immer eine Schraube, an der man noch drehen kann“, sagt Grünberger. Genau darin liegt der entscheidende Vorteil des Windkanals: Veränderungen lassen sich unter standardisierten Bedingungen messen und miteinander vergleichen.

Auch die TU Graz entwickelt dafür ihre Möglichkeiten laufend weiter. Zusätzliche Kameras sorgen für Videobilder die den Athlet:innen dabei helfen, immer wieder exakt in ihre Referenzposition zurückzukehren. Über einen eigens im Boden integrierten Sichtbereich können sie während des Tests nachvollziehen, wie sich Positionsveränderungen auf die Messwerte auswirken.

„Das Coole ist, dass das alles reproduzierbar ist“, sagt Flock. „Der Standard muss immer gleich sein und darauf kann man aufbauen und sich weiterentwickeln.“

Youngster Baumgartner findet mehr als zehn Prozent

Für Sarah Baumgartner war der Termin in Graz dagegen Neuland. Die Nachwuchsathletin absolvierte ihren ersten Windkanal-Test – und konnte ihren aerodynamischen Wert durch die Arbeit an ihrer Position um mehr als zehn Prozent verbessern.

„Ich hatte bisher nur Videos davon gesehen. Aber wenn man selbst im Windkanal auf dem Schlitten liegt und den Wind spürt, ist es doch anders als erwartet“, erzählt Baumgartner.

Neun Testdurchgänge absolvierte sie. Jeweils rund 30 Sekunden musste sie dabei unter Winddruck ihre Rennspannung und Position halten. Simuliert wurden Geschwindigkeiten zwischen etwa 90 und 110 km/h.

„Das Gefühl ist schon ähnlich wie auf der Bahn, weil man den Wind und den Druck spürt. Es sind auch Banden aufgebaut. Man fühlt sich dadurch schon ein bisschen wie im Eiskanal – nur ohne Eis“, sagt Baumgartner. Die Belastung zeigte danach auch Wirkung: „Ich spüre jetzt auch noch mein Genick ein bisschen.“

Für die Salzburgerin ist der Windkanal nur einer von mehreren Entwicklungsschritten in diesem Sommer. Nach der Matura und ihrer Grundausbildung beim Bundesheer kann sie sich als Heeressportlerin erstmals vollständig auf den Spitzensport konzentrieren. Anfang der letzten Woche war sie nach überstandener Krankheit bereits beim Anschubkurs auf Eis in Königssee dabei.

„Durch die Grundausbildung beim Heer und eine Krankheit habe ich einige Trainingseinheiten verpasst. Aber ich habe in Königssee gemerkt, dass ich wieder auf einem guten Weg bin und etwas weitergeht“, sagt Baumgartner.

In den kommenden Monaten wartet zusätzlich neues Material auf sie. Baumgartner erhält einen neuen Schlitten und soll sich Schritt für Schritt intensiver mit dessen Abstimmung, den Kufen und der systematischen Feedbackarbeit auseinandersetzen.

„Sarah hat gezeigt, dass sie Skeleton fahren kann. Jetzt werden wir das Ganze methodischer angehen und gemeinsam die nächsten Schritte setzen“, sagt Grünberger. „Die Arbeit am Schlitten, an den Kufen und mit dem Material wird professioneller. Sie wird sich damit viel stärker auseinandersetzen müssen. Das ist ein wichtiger Lernprozess.“