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Österreichischer Bob- und Skeletonverband

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Vom Klassenzimmer in den Eiskanal: Sarah Baumgartner startet als Skeleton-Profi durch

Vom Klassenzimmer in den Eiskanal: Sarah Baumgartner startet als Skeleton-Profi durch

Innsbruck, 

29. September 2026

Die Matura ist geschafft, die Grundausbildung beim Bundesheer absolviert – jetzt kann sich Sarah Baumgartner erstmals voll auf Skeleton konzentrieren. Das 19-jährige Salzburger Multi-Talent geht als Heeressportlerin in ihre erste Saison als Profi. Trainiert wird im Olympiazentrum Salzburg-Rif, ein neuer Schlitten wartet und beim ersten Windkanaltest in der Vorwoche an der TU Graz gab es gleich einen großen Entwicklungsschritt. Druck macht sich die ehemalige Youth-Olympics-Teilnehmerin trotzdem keinen: Ihr erster Profi-Winter soll vor allem eines werden – ein Lehrjahr auf höchstem Niveau.

Für Sarah Baumgartner hat sich in wenigen Monaten einiges verändert. Bis vor kurzem musste die junge Salzburgerin Schule, Matura und Leistungssport unter einen Hut bringen. Unmittelbar danach folgte die Grundausbildung beim Bundesheer. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt: Als Heeressportlerin kann Baumgartner ihren Tagesablauf erstmals konsequent auf Skeleton ausrichten.

„Gleich nach der Schule zum Bundesheer zu kommen, ist sich für mich mega ausgegangen. Besser hätte ich es nicht erwischen können. Ich kann mich jetzt voll auf mein Training und auf meinen Sport konzentrieren“, sagt Baumgartner.

Profibedingungen in Salzburg-Rif

Ihre sportliche Basis bleibt Salzburg. Baumgartner trainiert im Olympiazentrum Salzburg-Rif, wo Robert Eckschlager für ihr Athletiktraining verantwortlich ist. Dieser steht in engem Austausch mit ÖBSV-Sportwissenschafter Walter Hable. Skeleton-Nationalteamtrainer Michael Grünberger koordiniert die nächsten Entwicklungsschritte auf und abseits der Eisbahn.

Die neue Freiheit als Vollzeitathletin eröffnet dabei ganz andere Möglichkeiten. „Sarah ist mit der Matura fertig, sie ist jetzt beim Bundesheer und kann dadurch viel methodischer arbeiten“, sagt Grünberger. „Sie hat gezeigt, dass sie Skeleton fahren kann. Jetzt werden wir das Ganze gemeinsam methodischer angehen und die nächsten Schritte setzen.“

Ganz reibungslos verlief der Übergang in den Profibetrieb allerdings nicht. Die Grundausbildung beim Bundesheer und eine Erkrankung kosteten Baumgartner Trainingseinheiten. Beim jüngsten Anschublehrgang auf Eis in Königssee in der Vorwoche gab es für sie deshalb eine wichtige Standortbestimmung.

„Ich habe gemerkt, dass ich durch die Grundausbildung und die Krankheit zwar einiges an Training verpasst habe, aber ich bin wieder auf einem guten Weg. Es geht etwas weiter“, sagt Baumgartner.

Neuer Schlitten, neues Know-how

In ihrem ersten Winter als Profi soll es nicht nur um schnellere Zeiten gehen. Baumgartner bekommt einen neuen Skeleton und soll lernen, sich wesentlich intensiver mit ihrem Sportgerät auseinanderzusetzen. Schlittenabstimmung, Kufen, Material und präzises Feedback werden künftig stärker zum Arbeitsalltag gehören. „Die Arbeit wird professioneller. Sarah wird sich mehr mit dem Schlitten und den Kufen auseinandersetzen müssen. Das ist ein wichtiger Lernprozess“, erklärt Grünberger.

Wie groß das Entwicklungspotenzial noch ist, zeigte sich beim ersten Windkanal-Test Baumgartners an der Technischen Universität Graz. Gemeinsam mit Olympiasiegerin Janine Flock und Ex-Europameister Samuel Maier arbeitete sie an ihrer aerodynamischen Position.

Für die Salzburgerin war alles neu. „Ich hatte bisher nur Videos davon gesehen. Aber wenn man selbst im Windkanal auf dem Schlitten liegt und den Wind spürt, ist es doch anders als erwartet.“

Neun Testungen mit jeweils rund 30 Sekunden in Rennspannung absolvierte Baumgartner. Bei simulierten Geschwindigkeiten zwischen 90 und 110 km/h wurde an ihrer Position gefeilt – mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Laut Grünberger konnte sie ihren aerodynamischen Wert um mehr als zehn Prozent verbessern.

„Das Gefühl ist schon ähnlich wie auf der Bahn, weil man den Wind und den Druck spürt. Es sind auch Banden aufgebaut. Man fühlt sich schon wie im Eiskanal – nur ohne Eis“, erzählt Baumgartner.

Von den Youth Olympics in den Profisport

Ganz neu ist die große Bühne für Baumgartner nicht. Bei den Olympischen Winter-Jugendspielen in Gangwon 2024 holte sie Platz 6. In der Vorsaison holte die Vorzeigeathletin Silber bei den U20- und U23-Europameisterschaften und feierte ihren ersten Sieg im Europacup. Jetzt beginnt jedoch eine andere Phase ihrer Karriere: Aus dem Nachwuchstalent, das den Sport parallel zur Schule betrieb, wird Schritt für Schritt eine Vollzeitathletin.

Dabei kann sie im österreichischen Team unmittelbar von Athlet:innen lernen, die den Weg an die internationale Spitze bereits gegangen sind. Der gemeinsame Windkanal-Test mit Olympiasiegerin Flock und Maier war dafür nur ein Beispiel.

Grünberger will die Entwicklung dennoch nicht über Ergebnisse erzwingen. Neues Material kennenlernen, bessere Rückmeldungen geben, die eigene Position verstehen und im Eiskanal möglichst viele Erfahrungen sammeln – darauf liegt zunächst der Fokus.

Baumgartner selbst formuliert für ihren ersten Winter als Profi deshalb bewusst kein Ergebnisziel: „Ich nehme mir für diese Saison noch gar nichts vor. Ich möchte einfach schauen, wie es ist, wenn ich mich nur aufs Fahren konzentrieren kann und nicht mehr die Matura im Hinterkopf habe.“ Ein ungewöhnlich gelassener Ansatz für eine junge Athletin, bei der sich gerade fast alles verändert hat. Schule und Grundausbildung sind erledigt, das Trainingsumfeld in Salzburg steht, der neue Schlitten kommt.

Jetzt darf Sarah Baumgartner herausfinden, wie schnell sie werden kann, wenn sich ihr Alltag erstmals nur noch um Skeleton dreht.

Bob- und Skeleton-Weltcupkalender 2026/27:
#1 IBSF Weltcup Altenberg (GER, 22. bis 29. November 2026)
#2 IBSF Weltcup Innsbruck I (AUT, 29. November bis 6. Dezember 2026)
#3 IBSF Weltcup Innsbruck II (AUT, 6. bis 13. Dezember 2026)
#4 IBSF Weltcup Cortina d‘Ampezzo (ITA, 13. bis 20. Dezember 2026)
#5 IBSF Weltcup Königssee (GER, 10. bis 17. Jänner 2027)
#6 IBSF Weltcup St. Moritz (SUI, 17. bis 24. Jänner 2027)
#7 IBSF Weltcup und Europameisterschaft Winterberg (GER, 24. bis 31. Jänner 2027)
#8 IBSF Weltcup Sigulda (LAT, 31. Jänner bis 7. Februar 2027)
IBSF Weltmeisterschaften Olympiaparken Lillehammer (NOR, 15. bis 28. Februar 2027)

IBSF Para-Bob-Weltcup 2026/27:
#1+2 IBSF Para Sport World Cup Lake Placid (USA, 17.+18. Dezember 2026)
#3+4 IBSF Para Sport World Cup St. Moritz-Celerina (SUI, 15.+16. Jänner 2027)
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